Meine Freundin Linde sammelte Edelsteine, anthroposophische Bücher und schöne Engel.
Sie liebte ihren bunten Garten und machte lange Spaziergänge in der Natur. Auf ganz selbstverständliche Art und Weise war sie eng verbunden mit der spirituellen Welt. – Und dies zu einer Zeit, als Meditation und Schamanismus belächelt wurden als Weltflucht und Spinnkram.
Linde hatte einen großen Freundeskreis. Sie war sanftmütig, ausgleichend und bescheiden. Linde war nicht groß, immer gepflegt und geschmackvoll gekleidet. Sie strahlte innere Kraft und Klarheit, Würde und Weisheit, Geborgenheit und Liebe aus, so dass sie überall gerne gesehen wurde.
Wir lernten uns kennen, als sie ungefähr 75 Jahre alt war.
Pflanzen und Bäume – Sie liebte ganz besonders Linden.
Zu ihrer Geburt hatten ihre Eltern eine Linde für sie auf dem Höbeck gepflanzt.
Als ihr Elternhaus verkauft wurde, versammelten wir unsere ganze Familie und pflanzten in einer kleinen Zeremonie einen Ableger ihres Geburtsbaumes in unserem Garten. Das machte sie und uns glücklich.
Irgendwann veränderte sich Linde
Sie hatte unerklärliche blaue Flecken und häufig Infekte, war blass und oft müde. Die Diagnose lautete: Leukämie. Nach langen Gesprächen entschied sie sich gegen eine Chemotherapie. Sie wollte so weiterleben wie bisher und ihre letzte Zeit nicht im Krankenhaus mit starken Nebenwirkungen der Therapie verbringen. Ihre Wunden behandelte sie nach der Anweisung ihres Arztes mit Heilsalben. Doch die halfen nicht.
Linde besaß aber eine große Aloe Vera Pflanze und wusste, dass dies die älteste Heilpflanze der Welt ist. Aloe Vera enthält viel Feuchtigkeit, Vitamine und Mineralien, die der Haut sehr ähnlich sind. Linde legte sich Aloe Vera Blätter auf die Wunden und überraschte ihren Arzt, der über die schnelle Heilung sehr erstaunt war.
Linde feierte ihren 80. Geburtstag in großer Runde
mit vielen Freunden und Wegbegleitern. Sie fand für jeden aufmunternde Worte und es war eine ausgelassene Stimmung. Als wir uns 2014 zufällig in der Stadt trafen, freuten wir uns sehr, standen in der Sonne, genossen die gemeinsame Zeit und wussten beide, dass dies unser letztes Treffen war. Jede versuchte, die Tränen zurückzuhalten…
Als sie dann im Hospiz war, schickte sie mir einen letzten Gruß, bevor sie von ihrem Engel in die Lichtheimat abgeholt wurde.
Als Linde starb, ging auch ihr Baum ein,
der vorher so stark und prächtig gewachsen war. – Aber auch dieser Mutterbaum hat eine Tochter: eine schöne starke Linde, die jetzt in unserem Garten steht.

Linde hatte in ihrem kleinen Garten einen wunderschönen Schatz,
den ich bei einem meiner Besuche entdeckte: Es gab einen Stein-Engel zwischen all ihren Blumen. Sie erzählte mir etwas schüchtern, dass es ursprünglich ein ganz gewöhnlicher dunkler Stein mit hellen Flecken war.
Doch für Linde war es ein besonderer Stein.
Oft saß sie auf der Bank und sah diesen Stein an. Sie meditierte und wusste, dass er einen Zauber in sich barg. Er war ihr sehr wertvoll. Linde spürte, dass der Stein belebt ist. Sie konnte sich im Herzen mit dem innewohnenden Wesen verbinden.
Und es geschah ein Wunder:
Im Laufe der Jahre konnte sie immer deutlicher einen Engel erkennen.
- Bis sich dieser Stein-Engel strahlend schön zeigte.
- Kannst du den Engel auf meinem Foto auch erkennen?
- Dieser ganz besondere Stein-Engel war Linde so wertvoll, dass sie ihn sich als ihren Grabstein wünschte…
Fotos: Unsplash, Jutta Westphalen
